VATH
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Verein für australische Treib- und Hütehunde

Wanderung von Locarno (TI) zum Arbeitswochenende in Wilderswil (BE)

In den vergangenen Jahren sind mein Cattle Dog Mädchen "Finnja" und ich in den Herbstferien jeweils eine Woche auf Wanderschaft gegangen. Beide Male absolvierten wir dabei die Strecke zwischen unserem zu Hause in Gächlingen (Kanton Schaffhausen) und Wilderswil bei Interlaken (BE), dem Austragungsort des VATH Arbeitswochenendes. Beim ersten Mal wanderten wir dabei von Norden nach Süden, das zweite mal in umgekehrter Richtung.

Schon länger aber hatte ich Lust mal die Alpenkette von Süden her zu überqueren und deshalb plante ich für den Herbst 2007 einen Marsch von Locarno nach Wilderswil. Unsere Erlebnisse auf dieser Wanderung habe ich nachfolgend beschrieben. Ausserdem gibt es viele Bilder dazu im zugehörigen Fotoalbum.

Vorbereitung

Da wetterfeste Übernachtungsgelegenheiten im Alpenraum etwas rarer sind als im Flachland musste ich mir in diesem Jahr ziemlich genau überlegen, wie meine Tagesettapen aussehen sollten. Um die Planung etwas zu erleichtern nahm ich diesmal die digitialen 25'000er Karten zu Hilfe mit welcher sich nicht nur Routenprofile sondern auch Marschzeiten sehr genau errechnen lassen.

Bei meiner Routenplanung musste ich leider feststellen, dass eine wichtige Übernachtungsgelegenheit, eine Tessiner SAC Hütte, wegen Umbaus nicht verfügbar war was meine Möglichkeiten erheblich einschränkte. Kurz vor meiner Abreise waren ausserdem Schneefälle angekündigt was mein Vorhaben zusätzlich in Frage stellte.

Tag 1

Doch so leicht liessen wir uns von unserem Plan nicht abbringen. Nachdem meine Frau Claudia uns zum Bahnhof in Schaffhausen gebracht hatte stiegen Finnja und ich in den Zug ein welcher uns im 1. Klasse Abteil nach Bellinzona brachte. Ab Zürich hatten wir das 6-er Liegeabteil ganz für uns alleine, zusammen mit dem Gipfeli das wir uns teilten die ideale Einstimmung auf die Ferien.

Nach der Weiterfahrt im Regionalzug von Bellinzona nach Locarno stiegen wir dann kurz vor Mittag und voller Tatendrang aus dem Zug. Einer der Gründe für die Wahl des Ausgangsortes war die Tatsache, dass ich das Tessin nicht sehr gut kenne und etwas Neues entdecken wollte. Es soll zwar immer schön und warm sein, sonst wusste ich aber nicht sehr viel über unsere Sonnenstube.

Aber ausgerechnet an diesem Tag regnete es durchgehend, zumindest das mit dem Wetter schien nur halbwegs wahr zu sein. Trotzdem legten wir an diesem Nachmittag noch eine Strecke von fast zwanzig Kilomter, hinein ins Maggiatal, zurück. Übernachtet haben wir dann auf einem Bauernhof in der Nähe von Maggia welcher "Schlafen im Stroh" anbietet. Glücklicherweise gab es in unserem riesigen "Schlafzimmer" auch eine Wäscheleine an welcher ich meine Kleidung zum Trocknen aufhängen konnte. Und Finnja hat es ganz einfach genossen so lange und ausgiebig Nestchen bauen zu können wie ihr danach war.

Tag 2

Der Regen hatte in der Nacht aufgehört und so konnten wir uns trockenen Fusses auf den Weg machen. An diesem Tag stand uns eine happige Route bevorstand weshalb ich spätestens um 8.00 Uhr losmarschieren wollte. Da wir aufgrund der fehlenden Übernachtungsgelegenheit (Umbau der SAC Hütte) unsere Etappenorte neu definieren mussten waren wir gezwungen an diesem Abend die letzte Seilbahn zu erwischen welche uns um 17:00 Uhr nach Robiei hochbringen sollte. Ausserdem musste ich unterwegs noch Verpflegung für mich besorgen (Finnja hatte die ganze Wochenration ja in den Packtaschen), auf der Karte waren aber einige Dörfer eingezeichnet in denen ich bestimmt den Rucksacken füllen könnte.

Ausgerechnet das einzige Dorf in welchem es kleine Einkaufsmöglichkeiten gegeben hätte passierten wir während der Mittagszeit als alle Geschäfte geschlossen waren. Ich musste mich entscheiden zwischen abwarten und Verpflegung besorgen und losmarschieren und dafür sicher die Seilbahn zu erwischen. Ich entschied mich für letzteres in der Gewissheit auf Robiei im Notfall sicher der Hotelküche etwas abkaufen zu können.

An diesem zweiten Tag kämpfte die Sonne den ganzen Tag über gegen die Wolken. Eigentlich ideales Wanderwetter und vor allem nicht zu heiss. Das konnte wir auch gebrauchen, denn dieser Tagesmarsch hatte es in sich. Der Aufstieg mit dem schweren Rucksack zog sich vor allem am Nachmittag auf der Strecke zwischen Bignasco und San Carlo doch sehr in die Länge.

Schliesslich erreichten wir die Talstation der Seilbahn welche uns nach Robiei hochbrachte. Diese insbesondere bei Fischern beliebte Gegend besteht aus diversen (Stau)-Seen. Ein etwa sechsstöckiges, achteckiges Hotel welches den ganzen Technikern bei der Erstellung der Staumauern Ende der sechziger Jahre als Unterkunft diente, war unser Nachtlager.

Tag 3

Rund um das Hotel lagen etwa fünfzehn Zentimeter Schnee aus den Vortagen. Mir war klar, dass ich unter diesen Umständen unmöglich die vorgesehene Route über den Cristallina Pass gehen konnte, immerhin lag dieser noch einige hundert Höhenmeter weiter oben. Ich spekulierte darauf, dass sich an diesem Tag die Sonne zeigte und einen Grossteil des Schnees wegschmelzen würde. Immerhin hatte ich in diesem Jahr einen Reservetag eingeplant und das wäre eine guter Grund gewesen diesen zu nutzen.

So durfte Finnja an diesem Tag Ihre Packtaschen zu Hause lassen und ich nahm auch nur das Nötigste mit als wir uns aufmachten mal zu erkunden, wie weit man denn unter den herrschenden Bedingungen kommen würde. Auf der Karte hatte ich nebst der bereits zu Hause geplanten Route zwei Alternativen ausgemacht welche wir an diesem Tag eine nach der anderen so weit als möglich erklommen ohne dabei ein Risiko einzugehen. Als wir dann am Nachmittag bei immer noch ziemlich wolkenverhagenem Wetter in's Hotel zurückkehrten waren wir doch auch wieder fast fünf Stunden unterwegs.

Schnee lag aber noch immer gleich viel, unter diesen Umständen wäre es zu gefährlich gewesen die Überquerung zu wagen. So entschied ich mich, obwohl wir bei unserer Umkehr an diesem Tag weniger als zwei Stunden von der Passhöhe entfernt waren, am nächsten Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ins Val Bedretto zu reisen und unsere Wanderung dort fortzusetzen wo wir vom Cristallinapass heruntergekommen wären.

Tag 4

Die Abfahrt zur ersten Etappe unserer Reise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, der Luftseilbahn von Robiei runter nach San Carlo, wäre für 7:30 Uhr vorgesehen gewesen um das Postauto um 7:50 Uhr nach Bignasco zu erwischen. Diese Luftseilbahn besteht nicht wie gewohnt aus zwei wechselseitig verkehrenden Personenkabinen, sonder aus einer Personenkabine und einer offenen Last-Transportkabine. Als ich um 7:25 Uhr in der Bergstation ankam war lediglich diese Transportkabine aber kein Personal zu sehen. Ich überprüfte nochmals die Abfahrtzeiten um sicherzugehen, dass ich mich nicht im Datum oder dem Wochentag geirrt habe. Kurz nach halb acht setzte sich dann die Transportkabine in Bewegung, nach etwa 15 Minuten fuhr dann endlich die Personenkabine ein. Nach dem Lösen des Tickets machten sich Finnja und ich zusammen mit dem Kabinenführer dann endlich talwärts. Mir war zu diesem Zeitpunkt bewusst, dass ich, sofern das Postauto die Ankunft der Seilbahn nicht abwarten würde, diesen Anschluss ganz bestimmt verpassen würde. Da die Busverbindungen in dieser Gegend natürlich nicht im  Halbstundentakt verkehren würde dies arge Verzögerungen mit sich bringen.

Just in diesem Moment klingelte das Telefon am Führerstand. Der Kabinenführer fragte mich, nach ein paar italienischen Sätzen mit dem anderen Ende der Telefonleitung, ob ich auf das Postauto muss. Ich bejahte diese Frage und legte mich entspannt zurück in der Sicherheit, dass nun doch alles wie geplant ablaufen würde.

Als wir in San Carlo ankamen war jedoch weit und breit kein Postauto zu sehen. Ich erkundigte mich ob dessen Verbleib worauf mir ein Angestellter der Bahn sagte, dass dieses schon losgefahren sei. "Super!" dachte ich mir, warum wurde ich dann gefragt ob ich da mitfahren will? Da fährt plötzlich ein älterer Kleinwagen mit Tessiner Kennzeichen vor und hält direkt vor mir an. Der Fahrer steigt aus, öffnet den Kofferraumdeckel und bittet mich meinen Rucksack einzuladen. Der Fahrer erklärt mir, dass er mit mir und Finnja dem Postauto nachfahren wird und ich dann umsteigen kann.

Offenbar hatte sich der junge Mann zum Ziel gesetzt das Postauto möglichst bald einzuholen, entsprechend abenteuerlich wurde die Fahrt. Ich war froh Finnja nicht im Kofferraum plaziert zu haben sondern sie im Beifahrer-Fussraum (also zwischen meinen Beinen) zu wissen. Trotz der rasanten Fahrt gelang es uns nicht mehr das Postauto vor Bignasco einzuholen. Wir waren aber rechtzeitig dort um die geplante Busverbindung nach Locarno zu besteigen. Freundlicherweise musste ich für Finnja nicht mal eine Fahrkarte lösen, "der Hund sei ja sooo klein", meinte der Fahrer. "Klein aber oho", dachte ich für mich... Denn bereits während der Fahrt mit unserem Privatchauffeur wurde mir bewusst, welche beeindruckende Strecke wir in weniger als zwei Tagen zurückgelegt hatten.

In Lugano hatten wir dann genügend Zeit uns mit Proviant einzudecken und für eine Verpflegungspause bevor es dann mit dem Regionalexpress die Gotthard-Südrampe hoch ging nach Airolo. Dort stiegen wir um auf das Postauto welches genau an diesem Tag zum letzten mal in diesem Jahr über den Nufenenpass in's Wallis verkehrte. Und wie ich an diesem Tag lernte wird dann traditionell an jeder Haltestelle der Postauto-Dreiklang gestartet. Beim ersten Tüüü-Taaa-Tooo erschraken Finnja und ich beide noch ziemlich heftig, aber nach der zehnten Haltestelle und der zwölften Spitzkehre legte sich dies so langsam aber sicher...

Auf halbem Weg zwischen Airolo und dem Nufenenpass entstiegen wir dann dem Postauto um auf der Nordseite des Cristallinapasses wieder dort anzuknüpfen wo es unsere Route vorsah.  Der Schnee lag aber auch hier so hoch, dass wir bereits nach wenigen hundert Höhenmetern auf die schwarzgeräumte Kantonsstrasse zurückkehren mussten und dieser folgten bis auf die Nufenenpasshöhe. Dort oben herrschten Temperaturen um den Gefrierpunkt, dicke Nebelfelder und ein kühler Wind so das wir es vorzogen so schnell als möglich wieder abzusteigen. Und bereits eine halbe Stunde später konnten wir das garstige Wetter hinter (bzw. über uns) lassen: bei noch immer kühlen Temperaturen aber Sonnenschein verliessen wir die Kantonsstrasse, ich entledigte mich den Handschuhen und wir folgten den wunderschönen Wanderwegen welche uns gegen Abend hin nach Obergesteln führten. Dort bezogen wir nach einem langen, abwechslungsreichen Tag unser Nachtquartier und fielen nach einem feinen z'Nacht schon bald in den Tiefschlaf.

Tag 5

Der Blick aus dem Gästezimmer am Morgen des fünten Tages zeigte erstmals einen wolkenlosen Himmel! Ideale Bedingungen für die heute vorgesehene lange Etappe weit hinein ins Berner Oberland. Nach einem kräftigenden Frühstück machten wir uns auf den Weg Richtung Grimselpass. Dazu folgten wir einem stetig aber ziemlich regelmässig ansteigendem Weg. Das wunderbare Wetter und die tolle Aussicht trugen das Ihre dazu bei das wir bei bester Stimmung schon bald den Höhenweg erreichten welcher uns zur Grimsel-Passhöhe bringen sollte. Unterwegs lieferten wir uns noch mit zwei Bikern ein Rennen Wette welche der schmalen, unbefestigten Gebirgsstrasse folgten während Finnja und ich den zwar steileren, aber direkten Wanderweg nahmen und letztendlich (trotz grösserer Last) als erste oben ankamen.

Am Vortag warf ich aus dem Tal bereits einen Blick auf die Gebirgskette welche wir nun zu Fuss abschritten um abschätzen zu können, ob diese wegen des Schnees überhaupt begehbar ist. Vor Ort zeigte sich nun das die Einschätzung korrekt war und aufgrund der Südhanglage nur noch wenig Schnee an exponierten Schattenstelle lag. Es war aber kein Problem und absolut ungefährliche diese kurzen Passagen auch ohne besondere Ausrüstung zu überqueren. So erreichten wir kurz nach Mittag die Passhöhe und überquerten damit die Kantonsgrenze zu Bern, jenem Kanton in welchem auch unser Zielort Wilderswil liegt.

Am Nachmittag folgten wir wiederum ein kurzes Stück der Kantonsstrasse (Nordhanglage und daher wieder viel mehr Schnee...), überquerten beim Grimselhospiz die Staumauer und folgten bald schon einem altem Säumerweg welcher uns durch eine herrliche Lanschaft in den schönsten Herbstfarben führte. Dieser Teil der Wandurng gehörte sicher zu den schönsten Erlebnissen dieser Tage. Ich hatte mir für diesen Tag Guttannen als Etappenort vorgenommen und war mir sicher das dies bei all der guten Stimmung auch kein Problem werden würde. Doch irgendwie schien es plötzlich nicht mehr richtig voranzugehen. Die Schultern fingen plötzlich an mehr zu schmerzen ob der Last des Rucksackes und ich begann Pausen in kürzeren Abständen einzulegen. Als wir auf einer herrlich grünen Wiese, weit abseits der Passstrasse Rast hielten überlegte ich mir sogar einen kurzen Moment hier das Nachtlager aufzuschlagen, so müde und unmotiviert fühlte ich mich in diesem Augenblick. Da erhebt sich auf einmal Finnja neben mir mit ihren aufgeschnallten Packtaschen, schnappt sich die Wanderkarte welche neben mir im Gras lag und trägt diese einige Meter talwärts. Sie bleibt stehen, dreht sich zu mir hin und schaut mich an mit ihren braunen Augen als wollte sie mir sagen: "Hey, Alter, mach jetzt nicht schlapp. Wir sind bald am Ziel!". So rappelte ich mich dann auf, nahm die Karte wieder an mich und mit einem Schmunzeln im Gesicht die letzten Kilometer des Tages unter die Füsse. Entlang der Passstrasse gibt es hier zwar einen Wanderweg, dieser ist jedoch nicht besonders energiesparend angelegt: fünf Meter rauf, sieben Meter geradeaus, vier Meter runter...

Da ich zu diesem Zeitpunkt ohnehin schon ziemlich auf dem Zahnfleisch lief entschloss ich mich der unromantischen Kantonsstrasse zu folgen. Finnja findet das zwar nicht so toll, für einmal nahm ich darauf aber keine Rücksicht. Ich versprach ihr aber dafür bei nächster Gelegenheit ein besonderes Extra anzubieten. Mehr dazu gibts weiter unten...

Kurz vor sieben Uhr Abends erreichten wir dann endlich unser Tagesziel Guttannen. Gleich beim ersten angeschriebenen Haus kehrten wir ein und organisierten unser Nachtlager. Nach einer erfrischenden Dusche und einem "Schnipo" legten wir uns schlafen und für einmal war ich wahrscheinlich schneller im Reich der Träume als meine vierbeinige Begleitung...

Tag 6

An diesem Tag nehme ich mir nach den Leiden vom Vortag nicht allzu viel vor. Auf jeden Fall möchte ich aber mal die Aareschlucht durchqueren, etwas was ich mir schon lange vorgenommen hatte. Nach einem gemütlichen, längeren "Morgenspaziergang" talwärts erreichen wir um die Mittagszeit Innertkirchen. Dort wo die Aare (vom Grimselpass) und das Gadmerwasser (vom Sustenpass) in ganz unterschiedlichen Farben zusammenfliessen machten wir Rast und Finnja nutzte die Gelegenheit zu einem Bad am Sandstrand.

Nach dieser Pause folgten wir der Aare und stiegen dann in die Aareschlucht hinunter. Finnja war es zu Beginn nicht richtig geheuer. Sie versuchte deshalb auf dem schmalen, an der Felswand aufgehängten Steg so weit als möglich auf der dem Wasser abgewandten Seite zu gehen. Nach wenigen Minuten hatte sie sich allerdings schon besser daran gewöhnt und als wir nach etwa vierzig Minuten dieses imposante Naturschauspiel nordwärts verliessen tat sie dies ganz entspannt.

Auf der Karte hatte ich gesehen, dass eine Seilbahn von Meiringen zum berühmten Rychenbachfall hinaufführt. Für den Fall, dass mir das Wandern an diesem Tag ähnlich schwer fallen würde wie am Vorabend, hatte ich mir überlegt diese zu benutzen und mir so ein paar hundert Meter Aufstieg zu ersparen. Ich fühlte mich jedoch so gut, dass ich beschloss darauf zu verzichten und so begannen wir sogleich den Aufstieg Richtung Rosenlaui.

Da ich bereits wusste, wo ich die nächste Nacht verbringen würde und ausserdem sehr gut abschätzen konnte, wie lange ich dorthin noch benötigen würde ging es an diesem Tag viel lockerer voran als auch schon. Der wunderschöne Herbsttage trug das seinige zur guten Stimmung bei. Kurz nach vier Uhr gönnten wir uns dann mal wieder eine richtig ausgiebige Pause in der Gartenwirtschaft eines Bergrestaurants und nahmen danach den Rest dieser Tagesetappe unter unsere zwei Füsse und vier Pfoten.

Abends um sieben, gerade als die letzten Sonnenstrahlen die umliegenden Berggipfel noch rot einfärbten, erreichten wir die Schwarzwaldalp wo wir die Nacht, nach dem Verzehr einer Berner Rösti, in einem kleinen aber gemütlichen Kämmerchen verbrachten.

Tag 7

Schon beim kurzen Morgenspaziergang um das Gasthaus wurde klar, dass wir auch an diesem Tag mit herrlichem Wetter verwöhnt wurden. Nach dem "Bure-Zmorge" stiegen wir am Fusse von Well- und Wetterhorn entlang gegen die grosse Scheidegg hinauf. Auf halbem Weg kamen uns zwei Familien entgegen welche im selben Gasthaus übernachtet hatten und am Morgen mit dem Bus bereits zum Übergang hinaufgefahren waren. Offenbar war Ihnen Finnja und ich bereits am Vortag beim Aufstieg gegen die Rosenlaui aufgefallen als sie mit dem Auto an uns vorbeifuhren. Die Tatsache, dass sie nun erneut eine motorisierte Aufstiegshilfe in Anspruch nahmen während dem Finnja und ich die gesamte Strecke zu Fuss zurücklegten weckte bei Ihnen ein schlechtes Gewissen...

Auf der grossen Scheidegg angekommen konnte ich das erste mal über Grindelwald Richtung Lütschinental hinunterblicken an dessen Ende Wilderswil, unser Endziel, liegt. Ich setzte mich mit einem deutschen Wanderer mit welchem ich kurz zuvor in's Gespräch gekommen war auf die Sonnenterasse und es ergab sich eine interessante Kommunikation. Dabei erfuhr ich auch, dass er ständig ein Zeichnungsbuch mit sich führt und sich an Orten, an denen es ihm besonders gut gefällt  die Zeit nimmt diese bildlich festzuhalten. Ein Blick in das Buch weckte auch bei mir Erinnerungen da verschiedene Örtlichkeiten offenbar von uns beiden schon besucht wurden.

Ursprünglich hatte ich geplant eine Übernachtung im Hotel Faulhorn, dem höchstgelgenen Hotel Europas, zu verbringen. Das herrliche Herbstwetter lockte aber hunderte von Wanderer in die Berge und so kam man sich auf dem Weg zwischen Grosser Scheidegg - First - Faulhorn und Schyinger Platte vor wie auf einer Vokswanderung. Für meinen Geschmack (und den von Finnja) zu viel Verkehr weshalb ich beschloss nach Grindelwald hinunterzusteigen und dort zu übernachten.  Claudia hatte uns eine Möglichkeit zum Übernachten im Stroh gesucht und meine telefonische Anfrage ergab, dass die zuständige Bauernfamilie zwar selbst im Urlaub sei, wir uns aber trotzdem dort niederlassen durften.

Diese Freude wollte ich Finnja nicht vergönnen und so stieg ich, nach einer gemütlichen Bergwanderung hinunter nach Grindelwald, den Gegenhang fast eine Stunde hoch und schleppte dabei nebst dem Rucksack auch noch eine Einkaufstasche mit der Verpflegung für die nächsten zwei Tage mit.

Und wir wurden nicht enttäuscht: ein riesiges, doppelstöckiges Strohbett erwartete uns und Finnja konnte sich darin so richtig austoben. Herrlich!

Tag 8

In diesem Jahr hatten wir zwar etwas mehr Wandertage, aber auch einen Ruhetag für unsere Reise eingeplant. Am achten Tag bot das Wetter eine gute Gelgenheit diesen einzuziehen: starker Regen und kühle Temperaturen. So verbrachte ich mit Finnja einen gemütlichen Tag in unserem grossartigen Spielzimmer welcher lediglich von einigen längeren Spaziergängen unterbrochen wurde.

Tag 9

Am nächsten Morgen zeigte sich das Wetter wieder von seiner freundlichen Seite, es herrschten ideale Wanderbedingungen für unsere letzte Etappe. So packten wir an diesem Morgen den Rucksack zum letzten mal. Im Gegensatz zu Finnja's Packtaschen, welche mit jeder ihrer Mahlzeiten leichter wurden und inzwischen fast leer waren, stellte ich keinen grossen Gewichtsunterschied zum ersten Tag fest.

An diesem Tag genossen wir unsere gemeinsamen Ferien nochmals in vollen Zügen. Wir nahmen uns viel Zeit für Pausen und liess dabei die vergangenen Tage nochmals Revue passieren. Die Gewissheit sich um Wetter, Übenachtungen und Programm keine weiteren Gedanken machen zu müssen trug das seine zur guten Stimmung bei.

So erreichten wir gegen 17:00 Uhr das Hotel Heimat in Wilderswil einmal mehr zu Fuss wo wir unser Zimmer bezogen. Kurz darauf begaben wir uns dann in's Restaurant wo sich auch bereits andere VATHler zum Nachtessen eingefunden hatten. Und damit war auch sichergestellt dass es mit der guten Stimmung gleich weitergehen sollte...

Fazit

Auch in diesem Jahr gab es wieder Hochs und Tiefs auf unserer langen Wanderung. Wenn ich jetzt aber daran zurückdenke dann fallen mir, bestimmt auch aufgrund der gegenseitigen Motiviation in unserem sechsbeinigen Team, vor allem wieder ganz viele positive Erinnerungen ein. Uns eine Woche so ziehen zu lassen um diese tollen Erfahrungen zu machen erfordert viel Verständnis von meiner Frau Claudia. Das ist nicht selbstverständlich und ich möchte mich an dieser Stelle dafür ganz herzlich bei Ihr bedanken.

Nachdem wir nun sowohl aus Norden als auch aus Süden nach Interlaken gewandert sind stehen uns noch zwei andere Himmelsrichtungen bevor. Es kann also gut sein, dass wir eines Tages wieder die Schuhe binden und es dann zu einer Fortsetzung dieser Geschichte kommt!

Matthias mit Finnja