VATH
VATH
Verein für australische Treib- und Hütehunde

Tag 3: Engi - Urnerboden

Am dritten Morgen wurden wir von etwas durchzogenem Wetter begleitet. Nach einem leckeren, nicht zu üppigen Frühstück brachen wir auf mit dem Tagesziel Braunwald. Als ich mir während der Vorbereitungsphase die Routen zurecht gelegt hatte stellte ich fest, dass es nach Linthtal eine streckenmässig kürzere Variante über den 2261m hohen Richtelipass und eine Variante im Tal mit dem "Umweg" über Schwanden gab. Im Wissen noch viele Höhenmeter vor mir zu haben entschied ich mich für die Talvariante.

Kurz nach dem Losmarschieren begegnete ich einem älteren Ehepaar mit Zürcherdialekt welche zusammen einen Golfplatz pflegten. Er identifizierte Finnja zu meinem Erstaunen sogleich als Australian Cattle Dog und rief seine Frau herbei. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr, dass sie einige Zeit in Down Under gelebt hätten und sich nach ihrer Heimkehr quasi als Aussteiger nun um den Aufbau und die Pflege des kleinen Golfplatzes im Kanton Glarus kümmerten.

Während dem wir so am plaudern waren kam auch noch eine Frau mittleren Alters (und ebenfalls Zürcher Dialekt) mit einem Französischen Bulldog Rüden daher welcher sich sehr für Finnja zu interessieren schien. Sie fragte uns, als sich das Gespräch mit dem Ehepaar dem Ende zu neigte, ob sie uns ein paar Minuten begleiten dürfe. Ich wiess darauf hin, dass dies kein Problem sei, Finnja zu Beginn allerdings sehr zickig sein können. Weder sie noch ihr Hund schienen sich davon allerdings beeindrucken zu lassen. So gingen die beiden mit uns ein Stück des Weges und ich erfuhr, dass sie geschäftlich als Beraterin zeitweilig im Kanton Glarus lebten.

Nach ein paar Tropfen Regen (und einem erstmaligen An- und kurz Darauf wieder Ausziehen der Regenjacke) erreichten wir Schwanden. Als Liebhaber des Flat Coated Retriever fiel mir natürlich das Schaufenster mit der Aufschrift "Flaties Hundeladen" gleich auf. Gerne hätte ich Finnja dort eine leckere Belohnung für die bisher zurückgelegte Strecke gekauft, leider öffnete das Geschäft aber erst einige Stunden später. Wenn ich aber mal in der Gegend bin werde ich dafür sorgen, dass ich unseren Flatie "Gem" mit dabei habe und dann werden wir in Erfahrung bringen, warum das Geschäft genau so heisst!

Nach einer kurzen Verpflegungspause marschierten wir am Nachmittag durch das Linthtal. Besonders beeindruckt haben mich die vielen alten, inzwischen meist ungenutzten Fabrikgebäude. Vor langer Zeit wurden hier komplexe Bewässerungssysteme gebaut um all die textilverarbeitenden Fabriken zu versorgen, inzwischen lässt sich nur noch erahnen, wie viel Betrieb hier mal gewesen sein muss. Einige Anlagen konnten immerhin einer neuen Nutzung zugeführt werden. So entdeckte ich, als wir ein solches ehemaliges Industriegelände passierten, dass die Wiese im Innenhof inzwischen als Hundesportplatz genutzt wird.

Kurz vor der Ortschaft Linthtal nahmen wir den Aufstieg nach Braunwald unter unsere 6 Sohlen wo wir gegen 15:30 Uhr ankamen. Ich überlegte mir, was wir mit dem angebrochenen Tag wohl anfangen sollten und überlegte mir die Gelegenheit zu nutzen und am gleich Tag noch ein Stück weiter zu wandern. Ein mögliches Etappenziel könnte Urnerboden sein. Allerings wusste ich nicht, welche Übernachtungsmöglichkeiten es dort gibt. So erkundigte ich mich im Tourismusbüro nach Logiermöglichkeiten worauf mir die nette Dame gleich ein Zimmer telefonisch reservierte. Nach einem gründlichen Kartenstudium brachen wir kurz nach 16:00 Uhr auf. Gemäss Karte sollte es ohne Überwindung von grösseren Höhendifferenzen durch Wald und über offenes Feld gehen. Ich wunderte mich daher, dass auf den Schildern der Wanderwege eine Marschzeit von 3,5 Stunden angegeben war. Ich war der festen Überzeugung, dass es sich dabei um einen Fehler handeln musste oder sich die Angabe auf eine Strecke mit Umweg beziehen musste. Schliesslich wollte ich ja nicht erst bei Einbruch der Dunkelheit am Zielort ankommen! So legte ich mir einen eigenen Zeitplan zurecht welchen ich auch problemlos einhalten konnte.

Zumindest bis Unter Stafel, offensichtlich eine beliebtes Ausflugsziel ab Braunwald für Touristen aller Art: auf dem breiten, gut ausgebauten Weg kamen uns nebst Pferdefuhrwerken, Familien mit Kinderwagen auch Biker und ganz normale Wanderer entgegen. Kurz danach allerdings waren wir wieder ganz alleine unterwegs, der Weg wurde wesentlich schmaler und vor allem ging es nicht, wie die Karte vermuten liess, fast gerade aus sondern 5 Meter hoch, 7 Meter runter, 10 Meter hoch, 3 Meter runter. Das vertrug sich ganz schlecht mit der sich nun langsam doch einstellenden Müdigkeit, ich entschloss mich zu einer weiteren zusätzlichen Pause (bei welcher ich den schweren Rucksack am liebsten hätte stehen lassen). Obwohl auf dem schmalen Weg dafür kaum Platz war nutzte Finnja die Gelegenheit und hielt sogleich wieder ein kurzes Nickerchen.

Einige Zeit später erreichten wir dann das Ende des Waldes und hatten das erste Mal Blick über den Urner Boden. Unglücklicherweise liegt die kleine Ortschaft wo unser Zimmer reserviert war am anderen Ende der Hochebene. Nach dem Abstieg zur Klausenpassstrasse zog ich, nachdem es zwischenzeitlich immer wieder mal kurz geregnet hatte, das letzte Mal an diesem Tag meine Regenjacke aus. Das sollte nun doch zu schaffen sein die letzten paar Meter trocken unsere Unterkunft zu erreichen! Wir schafften es dann zwar tatsächlich ohne weiteren Tenuwechsel das Gasthaus zu erreichen, allerdings handelte es sich bei der verbleibenden Strecke nicht bloss um einige Meter sondern ein paar Kilometer. Und so war es dann doch fast halb acht Uhr Abends als wir uns am Buffet im Restaurant meldeten wo man uns bereits erwartet hatte. Der Wegweiser hatte eben doch recht gehabt!

Nachdem ich Finnja gefüttert hatte, mit meiner Frau Claudia telefoniert hatte um zu bestätigen dass es uns (den Umständen entsprechend) gut ging und eine heisse Dusche genommen hatte verpflegte ich mich noch im Restaurant des Gasthauses. Eine grosse Portion Spaghetti Bolognese hatte ich mir heute wohl verdient!

Im Gespräch mit der Wirtin erzählte ich ihr, dass wir am folgenden Tag den Klausenpass passieren wollten und um ins Schächental zu gelangen. Sie riet mir, statt den direkten Aufstieg doch die Seilbahn hoch zum Fisetenpass zu nehmen. Damit wäre die notwendige Höhe bereits erreicht und müsste nur noch eben nach vorne zum Klausenpass wandern. Seilbahn! Diese Idee begeisterte mich in Anbetracht meiner schweren Glieder und ich überlegte mir beim Einschlafen tatsächlich, ob ich meinen einmaligen "Bähnlijoker" bereits am nächsten Tag einlösen sollte...

Tag 1 / Tag 2 / Tag 3 / Tag 4 / Tag 5 / Tag 6 / Tag 7 / Tag 8