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VATH
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Verein für australische Treib- und Hütehunde
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Tag 4: Urnerboden - Fisetenpass - Klausenpass - ÄschHerrliches Wetter erwartete uns an diesem Mittwoch, dem vierten Tag unserer Reise. Nachdem sowohl ich als auch Finnja gefrühtstückt hatten, die Pfoten eingesalbt und der Rucksack fertig gepackt war wusste ich noch immer nicht, ob ich nun mit der Luftseilbahn zum Fisetenpass hoch sollte. Insbesondere die Möglichkeit, gleich zwei Pässe an einem Tag zu schaffen hatte seinen Reiz. Ich überlegte mir auch die Kompromisslösung einfach nur den Rucksack bei der Bahn, deren Talstation gleich vor dem Gasthaus lag, aufzugeben und dann hoch zu wandern. Was aber, wenn unterwegs irgend etwas passiert? Besser gut ausgerüstet (also mit Balast) oder gar nicht die 700 Meter hochsteigen. "Bähnlijoker" nun einlösen oder nicht? Der Entscheid wurde mir in dem Moment abgenommen als ich mich der Talstation näherte und uns ein nicht angeleinter Golden Retriever schwanzwedelnd entgegenkam. Im selben Moment begannen ein paar Meter weiter hinten zwei kleine Mischlinge zu kläffen deren Besitzer offensichtlich auf die Abfahrt der nächsten Gondel warteten. Zicke Finnja gab derweil ihrem Unmut lautstark Ausdruck. Mit dieser Gruppen von Zwei- und Vierbeinern würde die Fahrt in der kleinen 6-Personen Kabine bestimmt kein Vergnügen! So zogen wir an der Bahnstation vorbei und machte uns an den Aufstieg hoch zum Fisetenpass. Dazu musste ich zuerst ein kurzes Stück über den Urnerboden wieder talwärts zurückwandern bevor es dann in weiten Serpentinen einen idyllischen, kleinen Wanderweg den Berg hochging. Nach einer guten Stunde kamen wir aus dem Wald heraus und überquerten eine herrliche Bergwiese. Dabei fiel mir auf, dass es für diese Tageszeit und die Höhe in welcher wir uns befanden schon sehr warm war, was vielleicht auch dazu beigetragen hat dass wir sehr gut vorankamen. Nach einer ersten etwas längeren Pause erreichten wir gegen 11:30 Uhr die Bergstation wo zu meinem Überraschen ziemlich viel Betrieb herrschte. Überrascht war ich vor allem deshalb, weil ich während dem gesamten Aufstieg nicht einer Menschenseele begegnet war. Das liess eigentlich nur den Schluss zu, dass all diese Berggänger lange vor mir, auf einer anderen Route oder aber mit der Seilbahn hochgefahren waren. Warmduscher! Nach einem weiteren Gipfelfoto machten wir uns auf den Weg Richtung Klausenpass. Die Wirtin hatte erwähnt, dass dies ein Zuckerschlecken werden würde da man ja die Höhe bereits erreicht hätte und bloss noch rüber zum Klausen gehen müsse. Inzwischen war die Temparatur selbst auf 2000 m.ü.M aber auf weit über 20° Celsius angestiegen und die Sonne brannte schonungslos nieder. Der von mir gewählte Weg entpuppte sich leider auch nicht eben als "kinderwagentauglich" sondern ging oberhalb von steil abfallenden Felswänden durch und es waren immer wieder kurze Passagen drin welche mit Stahlseilen gesichert waren. Während dem mir solches früher nichts anhaben konnte machte ich mir jetzt doch einige Überlegungen was so alles passieren könnte. Beispielsweise, wenn jemand ebenfalls mit Hund und schwer bepackt entgegenkommen würde...
Während unserem Mittagshalt konnten wir schon zur Passhöhe des Klausenpasses rüberschauen. Der rege Verkehr, darunter viele Motorräder, liess eher auf einen Sonntag im Juli als auf einen Mittwoch Mitten im Oktober schliessen. Nach unserer Rast durchquerten wir ein kleine Steinwüste bevor wir an einer Alp vorbeikamen an welcher wir seit langem erstmals wieder andere Wanderer trafen. Während des kurzen Wortwechsels äusserten auch sie sich, dass es an diesem Tag wohl die bessere Idee gewesen wäre irgendwo im Mittelland um einen See zu spazieren als eine Bergwanderung im offenen Gelände zu unternehmen. Die letzten paar Kilometer vor dem Klausenpass führten dann nochmals direkt oberhalb der Felswände durch. Da es keinerlei Sicherungen gab entschied ich mich Finnja an die lange Bauchleine zu nehmen, man weiss ja nie ob sie plötzlich noch ein paar Murmeltiere in die Nase kriegt und dann plötzlich auf blöde Ideen kommt. Wo der Weg sehr steil war gab es kaum noch richtigen Halt da alles extrem trocken war: während ich mit meinem Zweifussantrieb nach jeweils zwei Schritten wieder einen zurückrutschte versuchte Finnja auf vier Pfoten an der Leine zu ziehen und so rasch als möglich Höhe zu gewinnen und in besseres Gelände zu kommen. Und keine zwei Meter neben uns, getrennt durch einen schmalen Grasstreifen, ging es 100 Meter senkrecht runter. Und plötzlich wieder der Gedanke was wohl wäre wenn uns nun unsere Doppelgänger mit Rucksack und Cattle Dog entgegenkommen? Ganz ehrlich gesagt, dass hat mich auch im Kopf ziemlich gefordert! Ziemlich ausgelaugt kamen wir dann kurz nach 15:00 Uhr beim Klausenpass an wo wir uns zuerst mal eine längere Pause und eine Erfrischung im Restaurant gönnten. Zwischen all den Cabrio- und Motorradfahrern kamen wir uns zwar vor wie von einem anderen Stern, dass war mir in diesem Augenblick aber ziemlich egal. Während ich so da sass, die Karte studierte und mir überlegte, wie es weitergehen soll sprang mir das grosse Hinweisschild "Posthotel, 1500m" ins Auge. HOTEL!? Das bedeutet Duschen, Schlafen, Essen! All das, wonach es mir jetzt zu Mute war. Ich zahlte mein Getränk, schnallte den Rucksack auf und machte mich mit Finnja der Passstrasse entlang auf zum Posthotel. Dieses liegt direkt an der Klausenpassstrasse und so wurden wir, da es dort kein Gehsteig gibt, alle paar Sekunden von irgendwelchen Wohnmobilen, Motorrädern oder Reisebussen überholt bzw. fast überrollt. So sollte dieser sonnige Tag nun wirklich nicht zu Ende gehen und ich fasste einen neuen Entschluss: ich wollte, trotz Müdigkeit, die Gelegenheit nutzen und noch ein Stück weit das Schächental talwärts wandern so lange es noch hell war. So verliessen wir auf halbem Weg zwischen Passhöhe und Posthotel die Kantonsstrasse wieder und nahmen den Abstieg unter unsere sechs Sohlen. Finnja fiel dies sichtbar leichter als mir. Kein Wunder, sie musste ja auch kein Rucksack schleppen. So musste ich sie, als wir eine Geröllhalde durchquerten, immer wieder zurückrufen damit sie mir nicht zu weit vorlief. Als wir auf der anderen Seite der Geröllhalde angekommen waren nahm ich mir einen kurzen Moment Zeit um ins Schächental hinunterzuschauen. Weit unter uns erblickte ich eine kleine Siedlung bestehend aus vielleicht zwanzig Hütten und Häuschen. Diese lag in einer Distanz von ca. 1 km von uns entfernt und ich konnte ausmachen, dass dort ein paar Autos standen und es offenbar auch einige bewohnte Häuser gab. Da würde ich bestimmt eine Übernachtungsgelegenheit finden! Davor mussten aber noch einige hundert Höhenmeter überwunden werden. Wer schon mal den Klausenpass überquert hat und sich an jene Stelle erinnert, in welcher die Strasse direkt in der Felswand und hoch über der Talsohle verläuft, kann sich ein Bild davon machen, wie steil unser letzter Abschnitt an diesem Tag war. Äsch, so heisst die kleine Siedlung welche zu unserem Etappenort werden sollte, liegt genau am Fusse dieser Wand. Der Abstieg ging deshalb ziemlich in die Knie. Ich munterte mich aber selbst auf in dem ich mir immer wieder klar machte, was wir heute und in den letzten Tagen schon für grossartige Leistungen vollbracht hatten! Plötzlich begann Finnja kurz und warnend zu bellen. Ich rief sie zu mir und da tauchte aus dem Gestrüp welches uns umgab doch tatsächlich ein Mann in meinem Alter auf welcher fröhlich lächelnd den steilen Bergweg hinaufrannte! Das war in diesem Moment nicht unbedingt förderlich für mein Ego... Kurze Zeit später, die ersten Schatten legten sich grade über das Tal, erreichten wir dann Äsch. Dieses liegt ganz hinten im Schächental und ist umgeben von hohen Felswänden, Wäldern und einem herrlichen Wasserfall. Gleich bei der ersten bewohnten Hütte fragte ich bei einem einheimischen Bauer freundlich an, ob es denn hier irgenwo eine Übernachtungsgelegenheit gäbe. Er empfahl mir bei einer Hütte weiter unten anzufragen wo ich dann zwei älteren Herren begegnete. Diese erlaubten mir einen Unterstand zu nutzen welcher aus ein paar Eckpfeilern und zwei aufgetürmten Brennholzstapeln bestand welche mit einem einfachen Dach und Blache abgedeckt waren. Dazwischen waren einige Wolldecken zu finden, alles da also damit wir uns ein angenehmes Nachtlager einrichten konnten.
Ich hatte bereits mit Claudia telefoniert, den Schlafsack ausgerollt und Finnja gefüttert, als ich mit einer jungen Frau ins Gespräch kam. Sie erkundigte sich über unser Vorhaben und ich erklärte ihr, dass dieser Unterstand diese Nacht unser Biwak sein würde. Kurze Zeit später bekamen Finnja und ich Besuch von zwei freundlichen Herren unterschiedlichen Alters. Wie sich herausstellen sollten handelte es sich um den Vater und den Sohn der Dame mit welcher ich vorhin gesprochen hatte. Sie boten mir, unter dem Hinweis, dass der Föhn hier ganz schöne ungemütlich werden könne, an, statt in dem Unterstand im "Gaden" bei ihrem Häuschen übernachten zu dürfen. Angenehm überrascht nahm ich dieses Angebot gerne an worauf ich meinen Schlafsack wieder aufrollte. Finnja, welche grade dabei war es sich dort drauf gemütlich einzurichten war sichtlich verblüfft. Üblicherweise bedeutet die zweite grosse Mahlzeit des Tages auch gleichzeitig Feierabend, sollte dies heute etwa anders sein?
Auf dem Weg zu unseren Gastgebern fragt mich der jüngere der beiden Herren plötzlich, ob ich den Raclet mag? Und bevor ich richtig antworten konnte erklärte er mir, dass sie mich gerne zum Nachtessen einladen würden. Wow! Was für eine gute Entscheidung, auf die Übernachtung im Posthotel zu verzichten. So durfte ich, nachdem ich mich im eiskalten Wasser des Niemerstafelbach frisch gemacht hatte, einen urgemütlichen Abend mit Raclet bei der Familie erleben. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle nochmals ganz, ganz herzlich bedanken! Ich erfuhr einiges über die drei Generationen welche in dem geerbten und sanft renovierten Häuschen häufig Ferien und andere Freitage verbringen. Wie recht der Junior der Familie doch hatte, als er unaufgefordert beim Abendessen plötzlich verlauten liess: "Wir sind eben gute Gastgeber!"
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