VATH
VATH
Verein für australische Treib- und Hütehunde

Tag 6: Attinghausen - Surenenpass - Engelberg

Das Ziel des sechsten Tages war klar: Engelberg. Dort wollte ich mich mit einer Freunding die ich von der REDOG her kenne zum Abendessen treffen. Darauf freute ich mich umso mehr, als das Frühstückbuffet zum Zeitpunkt meines Erscheinens schon ziemlich leer gefegt war. Die nebst mir offenbar einzigen Gäste zu diesem Zeitpunkt waren die Junioren eines bekannten Schweizer Handballclubs, viel blieb da nicht mehr übrig für mich. Eine gewisse Ignoranz zeigte sich auch darin, dass von keinem der Spieler oder Betreuer meine Morgengrüsse erwiedert wurden. Ein unangebrachter Spruch an meine Adresse lieferte aber einen Steilpass zu kontern und auf das unfreundliche Benehmen diplomatisch, aber bestimmt hinzuweisen. Die Reaktion war, dass mich fast alle Teammitglieder grüssten als ich einige Zeit später das Gasthaus zu Fuss mit Finnja verliess und mich von den Leuten verabschiedete als diese auf den Mannschaftsbusse warteten. "Geht doch und tut auch gar nicht weh!" dachte ich mir.

In der kleinen Kabine der Luftseilbahn von Attinghausen hoch nach Brüsti wurden wir von einem Service-Monteur für Kaffeemaschinen begleitet. Er erzählte, dass er für verschiedene Berggasthäuser zuständig sei und die Seilbahn häufig als Transportmittel nutze. Kaum vorstellbar für uns Flachlandindianer die wir überall mit dem Auto hinkommen! Als wir in der Bergstation ankamen verabschiedeten wir uns und machten uns auf den Weg Richtung Surenenpass. Es sollte für viele Stunden wieder die letzte Begegnung mit einer anderen Person gewesen sein.

Was uns auf dem Weg hoch zum Surenenpass erwartete war schlicht fantastisch. Bei optimalen Bedingungen, leichter Bewölkung aber trockenem Wetter, führt uns ein herrlicher Pfad bergwärts. Auf der Karte konnte ich einen kleinen Bergsee ausmachen welchen ich mir als ersten Rastplatz auserwählte, auch in der Absicht Finnja ein erfrischendes Bad zu ermöglichen. Als wir die Stelle erreichten musste ich allerdings ernüchtert feststellen, dass der kleine Tümpel fast ausgetrocknet war. So gab es denn eher eine Kneippkur für Finnja denn ein Vollbad.

Kurz nach Mittag erreichten wir den Surenenpass wo für kurze Zeit sogar die Sonne lachte. Für einige Zeit sollte dies das letzte Mal sein... Weit unten auf dem Weg den wir hochgekommen waren konnte ich einen anderen Wanderer ausmachen. Ansonsten waren das Pfeifen von Murmeltieren sowie das Kreischen der Berdohlen die einzigen auszumachenden Lebenszeichen. Bevor wir uns Richtung Engelberg aufmachten versuchte ich noch meine Kollegin in Engelberg telefonisch zu erreichen. Wir vereinbarten, dass ich mich nochmals melden würde sobald ich in die Nähe des Dorfes komme. Auf dem Weg talwärts musste ich feststellen, dass dichter Nebel über dem Engelbergertal lag und es hätte mich gewundert, diesen Tag trocken zu überstehen. So entschloss ich mich auf der Blackenalp nochmals einen längeren Halt einzulegen so lange es noch trocken war. In dieser Jahreszeit war natürlich kein Betrieb mehr hier oben und das Restaurant längst geschlossen. Da das Gelände sehr übersichtlich ist verzichtete ich darauf Finnja anzuleinen was sie dazu nutzte kreuz und quer um die Hütten und über die Bergwiesen zu wuseln.

Vorbei am Stäuber Wasserfall und diversen Bergrestaurant näherte ich mich langsam aber sicher wieder der Zivilisation. Inzwischen hatte es wie erwartet leicht zu regnen begonnen und so war ich froh, als ich auf den Wegweisern ablesen konnte, dass es keine Stunde mehr nach Engelberg dauern würde. Ich rief wie vereinbart nochmals bei Maya ein und sie instruierte mich, welchen Weg ich nehme soll. Einige Zeit später kam sie mir in Begleitung von Hunden und Ferienkind entgegen und begleitete uns ein Stück des Weges. Das Sporthotel am Dorfeingang neben dem Campingplatz war leider schon ausgebucht weshalb ich mit Finnja nochmals einige Kilometer zu Fuss ins Dorfzentrum unter die Füsse nahm. Auf diesem Weg begann es dann plötzlich wie aus Kübeln zu schütten. Triefend, völlig durchnässt und mit etwas schlechtem Gewissen ob unserer Erscheinung fragte ich beim erstbesten Hotel nach einer Übernachtungsgelegenheit. Zu meiner Überraschung hiess man uns ganz herzlich willkommen und Finnja wurde sogar mit einem Guetzli empfangen. Ich habe mich zwar nicht erkundigt, ob alle Zimmer mit einem Wäschetrockner in der Dusche ausgestattet waren, war aber überaus glücklich, dass ein solcher zumindest bei uns eingebaut war!

Nachdem ich Finnja versorgt und ich mich frisch gemacht hatte (soweit das überhaupt noch möglich war) traf ich ich mit Maya zum Nachtessen. Allerdings sollte es an diesem Abend etwas später werden, gab es doch eine ganze Menge zu erzählen nachdem wir im Laufe der Woche doch schon einiges erlebt hatten. Nachdem ich mit Finnja nochmals kurz vor dem Hotel im Regen eine kurze Pippirunde gedreht hatte liess ich mich spät nachts, todmüde aber sehr zufrieden ins Bett fallen.

Tag 1 / Tag 2 / Tag 3 / Tag 4 / Tag 5 / Tag 6 / Tag 7 / Tag 8