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VATH
VATH
Verein für australische Treib- und Hütehunde
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Wanderung vom Arbeitswochenende in Wilderswil (BE) nach Gächlingen (SH)Nachdem wir im Herbst 2005 zu Fuss an's Arbeitswochenende des VATH gewandert sind (siehe Bericht vom Vorjahr) entschlossen wir uns für das Jahr 2006 den umgekehrten Weg zu gehen und sind nach dem Arbeitswochenend nach Hause gewandert. Der diesjährige Bericht fällt etwas kürzer aus, ich möchte es aber denoch nicht unterlassen Euch an den schönsten Erlebnissen und Begegnungen teilhaben zu lassen. Ferner gibt es einige kommentierte Bilder im zugehörigen Fotoalbum.
Tag 1 Nachdem mich am Montag Morgen freundlicherweise Ruedi noch an's andere Stadtende von Interlaken gefahren hatte stand Finnja und mir gleich ein heftiger Einstieg bevor. Auf eine Luftlinie von 1.5 km war eine Höhendifferenz von 1100 Meter zu überwinden. Danach ging es erst 300 Meter runter bevor es dann, z.T. über kurze Kletterpassagen (bei denen Finnja phyische und psychische Unterstützung benötigte) nochmals 700 Meter hoch ging zu unserem ersten grossen Ziel, dem Hohgant. Da wir uns unterwegs noch um einen völlig erschöpfte Wanderer kümmerten kamen wir dort mit einigem Rückstand auf die Marschtabelle an und es war abzusehen, dass wir das Tagesziel "Kemmeribodenbad" erst nach Einbruch der Dunkelheit erreichen würden. Zuvor mussten wir aber noch auf einen anderen Gipfel wechseln über welchen wir den Abstieg in Angriff nehmen konnten. Dort angekommen überraschten wir einen Steinadler welcher hinter einer Wegbiegung nur etwa fünf Meter vor uns auf einem Felsen sass. Wegen starkem Gegenwind hatte er uns offenbar nicht kommen hören und da sich auch Finnja still verhielt bemerkte er uns erst nach einigen Sekunden und nachdem ich ganz leise durch die Zähne pfiff! Diesem äusserst eindrücklichen Erlebnis sollte aber sogleich eine grosse Ernüchterung folgen. Obwohl ich mich Karten lesen gewohnt bin und auch entsprechend detailliertes Material verwendete war es mir nicht möglich den Einstieg zu finden welcher uns über einen schmalen Grat talwärts führen sollte. Aufgrund der Tatsache, dass wir doch schon etwas müde waren, vor allem aber weil es rund um uns herum Felswände gab welche z.T. über hundert Meter beinahe senkrecht abfielen entschloss ich mich umzukehren und den Weg zurückzugehen welchen wir gekommen waren. Obschon wir gut ausgerüstet unterwegs waren überkam mich beim Gedanken im Schlafsack unter freiem Himmel in dieser Gegend übernachten zu müssen ein etwas banges Gefühl... So korrigierten wir uns Tagesziel und versuchten vor dem Einbruch der absoluten Dunkelheit wenigstens noch die nächste Hütte zu erreichen. Dies war dann sogar eine kleine SAC Hütte, in welcher sich glücklicherweise sogar zwei Familien für just diesen Tag zur Übernachtung angemeldet hatten. Wir wurden äusserst freundlich aufgenommen und so kamen wir dann überraschenderweise noch zu einem geselligen Abend mit leckerem Essen! Dabei erfuhr ich auch, dass der von mir gesuchte (und nicht gefundene) Abstieg verschüttet wurde und kaum noch begehbar sei! Tag 2 Am nächsten Morgen machten wir uns schon früh auf den Weg. Ich wollte, obwohl dies einen Umweg bedeutet, wenigstens das Frühstück in jener Gaststätte konsumieren in welcher ich mich für die erste Übernachtung an-, kurzfristig aber wieder abgemolden hatte. Dort wurde ich dann sehr herzlich empfangen und man bat mich (und Finnja), trotz bereits wieder etwas schmutziger Kleidung, im Frühstücksraum an jenem Tisch Platz zu nehmen auf welchen noch das Schildchen mit unserem Namen stand! Ich wurde fürstlich und äusserst freundlich bedient und konnte mich mehr als satt essen. Wirklich gute Werbung für das Hotel "Kemmeriboden-Bad", welches ich hier gerne weiterempfehle! An diesem Tag war geplant, dass uns ein Arbeitskollege begleiten soll, was aus gesundheitlichen Gründen dann aber nicht möglich war. Da für den Nachmittag auch noch Regen angekündigt war entschied ich mich statt der Höhenwanderung über die Schrattenflueh auf dem kürzesten Weg Richtung Tagesziel Schüpfheim zu marschieren. Beinahe pünklich zu jenem Zeitpunkt als der Regen einsetzte erreichten wir auch die Hauptstrasse an welcher entlang wir aufgrund fehlender Alternativen wandern musste. Nach fast zwei Stunden Dauerregen und Autolärm erreichten wir etwas geknickt und nass bis auf die Haut Schüpfheim. Wir hatten uns diesen Ort in der Hoffnung ausgesucht, dass er gross genug ist auch eine Übernachtungsgelegenheit zu bieten. Leider war aber wegen Betriebsurlaub und anderen Gründen kein Zimmer zu bekommen weshalb wir (nach einer Zugfahrt zur übernachsten Station) Quartier in Entlebuch bezogen. Die anschliessende heisse Dusche brachte dann die Lebensgeister zurück. Anja Bieler, eine Freundin aus Deutschland, welche ich während einer Schlittenhunde-Tour in Finnland kennen lernte und zu dieser Zeit in Bern im Urlaub war, reiste extra noch ins Emmental um uns zu besuchen. Obwohl mir fast die Augen zufielen wurde es noch ein geselliger Abend an welchem wir viele Neuigkeiten austauschten. Tag 3 Am nächsten Tag begleiteten uns Ruedi und Asta auf unserem Weg. Wir wanderten bei herrlichem Wetter einen wunderschönen Weg der kleinen Emme entlang nach Wohlhusen wo wir unser Mittagessen verzehrten. Danach ging es durch eine typsche Voralpengegeng nach Buttisholz. Obschon es Asta trotz erheblichen körperlichen Problemen in den Vortagen noch immer ausgezeichnet ging beschloss Ruedi es gut sein zu lassen und so machten wir uns für das letzte Teilstück nach Sursee auf die verbliebenen sechs Pfoten. Es war aber schön, dass ihr uns auch dieses Jahr ein Stück des Weges begleitet habt, Danke! Gleich am Ortseingang von Sursee bezogen wir Quartier und verbrachten nach einem herrlichen Nachtessen eine ruhige und erholsame Nacht. Tag 4 Kurz nach unserem Abmarsch in Sursee hielt uns eine Dame bei einem grossen Bauernhof an uns liess sich über unser Vorhaben informieren. Nachdem ich ihr unser Etappenziel genannt hatte empfahl sie mir eine Übernachtungsgelegenheit welche ich mir notierte bevor wir weiterzogen. Bei erneut idealem Wanderwetter mit leichter Bewölkung aber ohne Niederschlag ging es durch die hügelige Landschaft vorbei am grossen Sendeturm in Beromünster nach Beinwil am Hallwilersee. Bei einer Begegnung mit einerm sozial offentsichtlich vernachlässigten Mann mittleren Alters brachte Finnja das Herz dieses Mitbürgers zum schmelzen und dieser konnte sich kaum mehr von uns trennen. Nach dem z'Vieri (für mich) am See und einem erfrischenden Bad (für Finnja) ging es zügig dem Wasser entlang nordwärts. Beim Schloss Hallwilersee erinnerte ich mich an den Übernachtungstip vom Morgen und der Blick auf die Karte verriet bereits, dass es sich dabei um eine Anlage an erhöhter Lage mit wunderschöner Aussicht handeln musste. Dort angekommen stellt ich fest, dass es sich um eine Hotel Kurhaus handelte und meine Anwesenheit den Altersdurchschnitt wohl um 30 Jahre reduzierte. Wir wurden aber freundlich aufgenommen und in einem hübschen Zimmer mit toller Aussicht untergebracht. Trotzdem fiel es nicht nur uns auf, dass wir nicht ganz in's Bild passten. So sprach uns beispielsweise eine ältere Dame an und liess sich bestätigen, dass wir nicht zur Kur da seien... Die Nacht verlief dann trotz der wunderbar abgeschiedenen Lage alles andere als ruhig. Finnja begann schon kurz nachdem wir uns hingelegt hatten auffällig nervös und häufig ihre Liegeposition zu ändern. Ich war mir dann auf einmal nicht mehr sicher, ob sie sich nochmals versäubern musste und ging mitten in der Nacht nochmals mit ihr raus. Fehlalarm. Denoch fand sie auch weiterhin keine Ruhe und da ich mir nicht sicher war, ob sie ein körperliches Problem hatte oder sie etwas an unserem Zimmer störte (was mich erstaunt hätte, schliesslich begleitet sie mich oft auf Geschäftsreisen und ist sich wechselnde Örtlichkeiten gewohnt) beschloss ich statt auf dem Bett neben ihr am Boden zu schlafen. Tag 5 Am nächsten Morgen, als ich Finnja das erste "Sitz" kommandierte wurde mir dann einiges klarer: sie konnte sich für einmal schlicht nicht hinsetzen und trug die Rute nur noch gerade nach unten. Offenbar hatte sie sich einen Muskelkater zugezogen! Armer Hund! Ich überlegte mir, dass es für uns Zweibeiner im Falle eines Muskelkaters das Beste ist sich wieder zu bewegen. So beschloss ich trotz der fehlenden Motivation und der langsamen Gangart von Finnja die nächste Tagesetappe in Angriff zu nehmen. Inbesondere in Ortschaften drin kamen wir aber kaum noch vom Fleck, was auch anderen Leuten auffiel. So hielt etwa in in Dottikon eine Frau mit dem Auto an und fragte, ob sie mir mit dem Weg helfen könne. Ich erklärte ihr, dass ich mit der Karte zurecht käme. Nachdem auch sie sich erkundigte woher wir kamen und wohin wir gingen kehrte sie zum Auto zurück und brachte mir einen Papiersack mit Nussgipfeln. Einfach so als Zwischenverpflegung für uns! Finnja ging es im Laufe des Tages zwar etwas besser, trotzdem kamen wir nur sehr schleppend und in kleinen Etappen voran. So überlegte ich mir am Abend dieses Tages ernsthaft den Zug nach Hause zu nehmen und unsere Reise verfrüht abzubrechen. Ich entschloss mich dann aber noch den nächsten Morgen abzuwarten und dann zu entscheiden wie es weitergehen soll. So suchten wir dann das einzig geöffnete Gasthaus auf und bezogen das grosszügige, aber nicht unbedingt nach meinem Geschmack eingerichtete Zimmer. Ich war inzwischen auch recht müde und beschloss gleich im Haus zu essen. Kurz nachdem ich mich an den Tisch gesetzt hatte hörte ich im Hintergrund jemanden munkeln "das dies der Mann mit dem Hund mit Rucksack sei". Die Leute sprachen mich an und auch sie wollten ganz genau wissen, wie wir die letzten Tagen verbrachten, was unsere Motivation sei usw. Sie waren von unserem Vorhaben so begeistert, dass sie mich nicht nur zum Nachtessen einluden sondern auch gleich die Übernachtung finanzierten. Ganz herzlichen Dank! Tag 6 Als ich am nächsten Morgen erwachte traute ich meinen Augen nicht: Finnja, welche sich zu Hause weder auf's Bett noch auf unsere Sofas traut, lag wie eine Prinzessin auf dem goldenen Sofa im Zimmer, den Kopf auf ein Kissen gebettet. Vielleicht dachte sie sich, sie hätten dies nach der Schinderei vom Vortag verdient! Auf dem kurzen Morgenspaziergang durfte ich dann feststellen das die gemütliche Bettstatt offenbar Wirkung zeigte und Finnja schon wesentlich besser lief als noch am Vorabend. Da es fast bis zum Mittag regnete und da wir an diesem Tag ohnehin nur eine Halbetappe planten liess ich mir Zeit mit dem Aufbruch. So wanderten wir an diesem Tag gemütlich aber doch wesentlich entspannter als am Vortag zu meiner Mutter in Hochfelden nach Hause wo wir unsere letzte Übernachtung verbrachten. Unterwegs lernten wir während eines Marschhaltes noch den jungen Bonsai kennen, einen interessanten Border Collie Mischling. Auf dem Video Clip ist deutlich zu sehen, dass Finnja ihre Rute zwar noch immer etwas tief trägt, sich aber schon wieder viel sportlicher bewegt! Tag 7 Am letzten Tag stand und uns dann erneut eine etwas längere Etappe bevor, jedoch wieder bei herrlichem Wetter. So wanderten wir zuerst der Glatt entlang, überquerten bei Eglisau den Rhein und nahmen die letzten Hügelzüge vor der Heimkehr in Angriff. Auf einer dieser Anhöhen steht eine kleine Kapelle bei welcher ich bereits auf unserem Vorjahresmarsch sowie bei Vorbereitungs-Wanderungen Pausen einlegte. Bei guter Fernsicht hat man von dort auch eine herrliche Aussicht auf einen Grossteil der Alpenkette. So war es an diesem herrlichen Herbstsonntag denn auch nicht verwunderlich das die Sitzbänke neben der Kapelle bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Die vorwiegend älteren Personen stellten fest, dass ich aufgrund unserer grossen Packung wohl nicht bloss aus dem Weiler am Fusse des Hügels kam. Auch sie wollten wissen, was unser Ausgangspunkt war. Ich drehte mich um und zeigte in Richtung der Berner Alpen welche dank der wunderbaren Fernsicht ganz zuhinderst am Horizont noch zu sehen waren. Ein wunderbares Gefühl überkam mich, so kurz vor dem Ziel nochmals die ganze Wegstrecke sehen zu können, im Wissen, dies mit Finnja und (fast) alles zu Fuss zurückgelegt zu haben. Nach weit mehr als 200 km Wegstrecke, etlichen Metern Höhendifferenz und über 50 Stunden Marschzeit erreichten wir müde aber überglücklich unser zu Hause in Gächlingen. |